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Silberschmuck aus Silver Clay – ein Tageskurs

Ein Kursbesuch und viel Neues kennengelernt

Vor einiger Zeit gab es bei der WDR Servicezeit einen Bericht mit dem Thema „mein kreatives Hobby“. Es wurden die Hobbys Seife herstellen, Malen und Kunsthandwerk wie Silberschmuck und einiges mehr vorgestellt. Für jemanden wie mich, der immer auf der Suche nach neuen Herausforderungen ist, war die Sendung eine wahre Goldgrube. Oder ich sollte besser Silbergrube sagen. Denn die Idee, aus einer Art Modelliermasse (Silver Clay) seinen eigenen Silberschmuck herzustellen, hat mich sofort begeistert. Ich bin also ins Internet getaucht und hab nach möglichen Kursen gesucht und wurde dann auch recht schnell fündig. In der Nähe von Viersen bietet Dörthe Versin verschiedene Kurse zum Thema Metal Clay bzw. Silver Clay an. Ich hab mich sofort angemeldet und letztes Wochenende war es dann endlich soweit….

Gleich zu Beginn hab ich meiner Kursleiterin Löcher in den Bauch gefragt und sie hat gern und bereitwillig Auskunft erteilt. Was ich nämlich nicht wusste: Dieses Metal Clay ist von einer Firma aus Japan und es gibt gar nicht so viele Möglichkeiten, einen Kurs in Deutschland zu besuchen. Dass ich mit Viersen (was ca. 70km entfernt liegt) noch einen recht nah gelegenen Kurs erwischt hatte, war also Glück. die Kreativwerkstatt

Die Kreativwerkstatt von Dörthe war bereits für mich und meine zwei Mitstreiter vorbereitet und Essen sowie Trinken stand auch bereit. Wir hatten einen ganzen Tag vor uns und wurden super versorgt. Der Kurs begann um 9.00 Uhr und wir wurden zunächst einmal aufgeklärt. Welche Techniken gibt es, welche verschiedenen Metal Clays kann man benutzen, wie wird das Ganze getrocknet und wie gebrannt? Aus einer Beispielkiste haben wir viele Möglichkeiten gezeigt bekommen, was man alles machen kann. Außerdem lagen Bücher bereit, die Schritt für Schritt Anleitungen gaben. Die meisten Bücher waren auf englisch, da die Amerikaner sehr umfangreiche und reich bebilderte Bücher verlegt haben. Es stellte sich recht schnell heraus, dass jeder von uns schon eine gewisse Vorstellung hatte, was er oder sie machen wollte. Wir hatten uns also gut vorbereitet.

Mit unserem neu gewonnen Wissen ging es nun an die Umsetzung. Schnell hab ich auf einer Skizze aufgemalt, was ich machen wollte und es meiner Kursleiterin gezeigt. Sie wusste sofort, was zu tun ist und schickte mich erst einmal raus – Blätter sammeln. Mein Ziel waren nämlich tropfenförmige Ohrhänger mit feinen, netzartigen Blattadern, die ich aus der Natur auf die Silver Clay Modelliermasse „stempeln“ wollte. Ich hab mir mehrere Blätter gesucht und mich dann für das Blatt mit der kräftigsten Äderung entschieden.

Silikonkomponenten für den Abdruck und mein Originalblatt
Silikonkomponenten für den Abdruck und mein Originalblatt

Danach durfte ich erst einmal einen Abdruck in Silikon machen. Dafür hab ich zwei Komponenten zu gleichen Teilen verknetet und anschließend das Blatt hineingedrückt. Nun hatte ich nach ca. 20 Minuten einen Negativabdruck, den ich aber noch umkehren musste, damit die Silikonmasse erhabene Strukturen aufweist und ich diese in die Silbermasse drücken konnte.

Der Negativabdruck meines Blattes in Silikon
Der Negativabdruck meines Blattes in Silikon

Anschließend ging es an die Silver Clay Masse. Diese hab ich mit einem Plastikröhrchen auf 1mm Dicke ausgerollt. Das Röhrchen wurde vorher schön mit Bienenwachs eingerieben und duftete herrlich nach Natur und Weihnachten. Jeder verbindet wohl so seine Erinnerungen mit Gerüchen… Jetzt, nachdem ich die Masse ausgerollt hatte, hab ich die ebenfalls gefettete Silikonform in die Masse gedrückt und schon waren die feinen Blattstrukturen zu erkennen. Danach musste ich nur noch die Tropfenform schneiden. Dafür hab ich die Form einfach auf Transparentpapier übertragen, ausgeschnitten, auf die gewünschte Stelle der Modelliermasse gelegt und dann mit einem skalpellähnlichen Messer ausgeschnitten. Das geht alles ganz leicht, weil die Masse etwas leichter knet- und formbar ist als FIMO.

Mein erster Ohring-Rohling in Tropfenform.
Mein erster Ohrring-Rohling in Tropfenform und die dazugehörige Silikonform.
Silver Clay Blattrohlinge
Die Blattohrringe nach dem Trocknen und Schleifen.

Nachdem das erste Blatt fertig war, schnell noch das Zweite hinterher und dann wurden beide Blätter in einem Trockner getrocknet. Dieser Vorgang dauerte etwa eine halbe Stunde. Danach war das Wasser gröstenteils aus dem Silver Clay verdunstet und dass Blatt hart genug, dass es von mir bearbeitet werden konnte. Nun konnte es ans Feilen und Schleifen gehen. Ecken und Kanten hab ich abgerundet und dass Loch für die Aufhängung nachgebohrt. Das hatte ich zuvor nur leicht angestochen, aber beim Trocknen zieht sich das Silver Clay zusammen und dann muss man nacharbeiten. Als ich mit meinem Blatt endlich zufrieden war, kam es zu den anderen Schmuck-Rohlingen auf eine Spezialwatte und wartete auf den Brennvorgang.

Der Brennofen und unsere Schmuckstücke auf der Watte davor.
Der Brennofen und unsere Schmuckstücke auf der Watte davor.

Als wir alle unsere Stücke fertig hatten, haben wird den Ofen angeschmissen. Dieser entwickelte kräftig Rauch und obwohl Dörthe uns versicherte, dass der Rauch nicht schädlich sei, haben wir den geordneten Rückzug angetreten. Das Wetter war voll und ganz auf unserer Seite und wir konnten uns im schicken Innenhof die Wartezeit mit Geschichten vertreiben. Ich kann gar nicht sagen, wie lange der Ofen letzendlich gebraucht hat, aber es hat sich nach ca. 1 Stunde angefühlt. Nachdem der Ofen den Verbinder, der das Silberpulver zusammenhält und formbar macht, verbrannt hatte, kamen ganz weiße Stücke zum Vorschein. Diese haben wir in einem Wasserbad schockgekühlt (Vorrausgesetzt, sie enthielten keine Schmucksteine, die sonst kaputt gegangen wären.) Nun drückte uns Dörthe jeweils eine Drahtbürste in die Hand und wir sollten das Weiße von unserem Schmuckstück kratzen. Und wie durch ein Wunder errschien darunter eine wunderschöne, silbrige Fläche.

Die gebrannten Blätter, während des Reinigungsprozesses. Das Silber kommt unter dem Weiß zum Vorschein.
Die gebrannten Blätter, während des Reinigungsprozesses. Das Silber kommt zum Vorschein.

Nachdem die Blätter komplett von dem weißen Überzug befreit waren, hätte ich noch die Möglichekit gehabt, diese mit einer Poliernadel glänzend zu machen. Ich hab mich aber dagegen entschieden, weil ich großer Fan von mattem oder gebürsteten Silberlook bin und das Glänzende nicht leiden mag. Somit waren meine Ohrhänger fast fertig. Dörthe hat eine große Auswahl an Schmuckzubehör, um die passenden Ohrhaken aus Silber anzubringen, aber so richtig bin ich dann doch nicht fündig geworden. Die Blätter sollten frei hängen und der Ohrhaken so schlicht wie möglich sein. Da ich aber durch meinen eigenen DaWanda Shop über einen großen Fundus verfüge, habe ich die Lösung für die Blätter auf zu Hause vertagt.

Fertige Silberblätter aus 999er Silber. Fehlen nur noch die Ohrhaken.
Fertige Silberblätter aus 999er Silber. Fehlen nur noch die Ohrhaken.

Ein Blick auf die Stücke meiner Mitstreiter hat sich ebenfall gelohnt. Mir gegenüber ist ein toller Ring mit verschiedenfarbigen Steinen entstanden, der wirklich gekonnt aussah. Es gib so viele Möglichkeiten und die Begrenzung ist tatsächlich nur die Fantasie. Ich war restlos begeistert davon, was man aus diesem Silver Clay alles machen kann und wie einfach es mit der richtigen Anleitung ist. Ich würde diesen Kurs jedem empfehlen, der sich mal an das Thema wagen möchte. Es war ein schöner Tag und ich hab viel gelernt. Fertig waren wir dann erst gegen 18.00 Uhr. Also volles Programm für den ganzen Tag!

Die fertigen Ohrhänger mit 925er Silber-Ohrhaken.
Die fertigen Ohrhänger mit 925er Silber-Ohrhaken.

Mit Sicherheit werde ich mich nochmal an diesen Werkstoff setzen. Auch wenn er nicht ganz billig ist, aber seine eigenen Silberstücke zu tragen entschädigt auf jeden Fall.

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