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Tipps für Cyanotypie-Belichtung

Ich mach die Einführung kurz: Ich hab die Cyanotypie anlässlich der Sommerpost von Post-Kunst-Werk (Michaela und Tabea)  ausprobiert und schreib euch jetzt alles auf, was ihr dazu wissen müsst.

Die Vorbereitung

Ich habe mir dieses Set gekauft und entsprechend der Anleitung die Flaschen bis oben mit Wasser gefüllt. Dann sollten sie 24 Stunden stehen bleiben, damit sich die Chemikalien richtig lösen. Anschließend habe ich beide Flaschen in eine Schüssel geleert und meine weißen Stoffe eingetaucht.

Nach dem Beschichten waren meine Hände dunkelblau. Davon hab ich kein Foto gemacht, aber stellt euch einfach vor, meine Hände wären aus Avatar. Nur nicht so elegant feingliedrig. Leider steht nämlich auf der Anleitung kein Wort von Handschuhe anziehen. Aber das solltet ihr unbedingt tun!

Ich hab mit dem Inhalt des Sets ca. 3m² beschichtet. Damit kommt man also sehr, sehr weit. Ich hatte einfach keinen Stoff mehr zum Beschichten, weswegen ich dann aufhören musste.

Nun sind es mittlerweile schon drei Wochen her, dass ich die Stoffe gefärbt habe und ich finde immer noch blaue Spritzer im Bad. Daher kann ich folgenden Tipp geben: entweder ihr plant ein Grundreinigung des Bads oder Färberaums eurer Wahl ein oder ihr beschränkt euren Spritzbereich auf ein maximales Minimum (ich liebe diesen Ausdruck).

Das gilt im Übrigen auch für den Trocknungsbereich, denn die Stoffe können nach unten abtropfen. Leider fällt draußen trocknen aus, es sei denn ihr arbeitet nachts.

Die Belichtung

Bevor ich nun ausführlich zur gezielten Belichtung komme noch eine Anmerkung zur unfreiwilligen Belichtung. Dieses Stoffstück lag ca. 1 Woche in meinem Arbeitszimmer und zwar bei zugezogenen, blickdichten Gardinen.

Schon nach einen Tag konnte man merkliche blaue Spuren erkennen. Mittlerweile ist es komplett blau (aber noch nicht ausgespült). Ihr solltet eure Stoffe also in einem Schubfach oder Schrank aufbewahren, sonst war‘s das mit Belichtung.

Für die gezielte Belichtung habe ich Inkjet-Folie bedruckt. Wie man die richtig bedruckt habe ich hier bei meinen Versuchen zu Inkodye erklärt.

Die Folie habe ich auf das Stoffstück gelegt und bei wolkigem Tag draußen ca. 30 Minuten „inkubiert“. Da ich nicht wusste, wie das Ergebnis aussehen soll, fand ich es schon nicht so schlecht. Vielleicht ein bißchen blass, aber man konnte was erkennen. Nach einer Runde in der Waschmaschine kann ich den Stoff nun aber wieder zu den weißen Stoffen ins Schubfach packen.

Also: sucht euch einen sonnigen Tag aus!

Außerdem ist mir aufgefallen, dass die Plexiglasplatte, die ich zum Beschweren auf das Stoff, Folien-Sandwich gelegt habe, etliches UV-Licht nicht durchlässt, weswegen das Ergebnis so enttäuschend war.

Daher habe ich bei meinen späteren Färbungen die Folie ringsherum mit Masking-Tape festgeklebt udn auf Plexiglas verzichtet. Mit Glas zum Beschweren könnte das Ergebnis besser werden, denn Glas lässt das UV-Licht durch.

Am Folgetag habe ich mit einem Edding auf Inkjet-Folie gemalt und diese in herrlichsten Sonnenschein zur Belichtung benutzt. Nach ca. 5 Minuten erhielt ich dieses kräftige Ergebnis. Daraus konnte ich außerdem schließen, dass man beim Handmalen immer Streifen im Gemalten (und später belichteten Stoff) zurück behält. Aber das kann auch seinen Reiz haben.

Und noch eine kleine Anmerkung zum Thema Cyanotypie-Shibori. Das geht nur bedingt und kommt auf euer Muster an. Die kompakte Variante hier hat nicht so gut funktioniert.

Ich musste das Päckchen mehrfach neu falten und wickeln, da viele Stellen nicht belichtet wurden. Bei der Belichtung gibt es übrigens auch eine Rückseite, die tatsächlich ungefärbt bleibt.

Die Größe

So schön das Format 25 x 25 cm zum Nähen ist, hat es doch einen entscheidenden Nachteil. Fast niemand kann Inkjet-Folie in A3 zu Hause bedrucken.

Ich habe daher mit zwei Folien gearbeitet und diese Stoß an Stoß über den Stoff gelegt. Dennoch bleib bei allen Stoffen eine feine Linie zurück, die sich einfach nicht vermeiden lässt.

Wer stattdessen seine Stoffe mit Gegenständen belegt hat, sollte nicht auf dieses Problem stoßen. Dazu habe ich derzeit allerdings keine Erfahrungen vorzuweisen.

Zusammenfassung

Für alle die, die nicht gern lange Texte lesen hier das Wichtigste:

  • Handschuhe tragen
  • Den Spritzbereich des Färbemittels begrenzen und alles danach reinigen
  • Stoffe dunkel lagern
  • Nicht bei wolkigem Himmel belichten
  • Bei Sonnenschein reichen 5 Minuten völlig aus
  • Nicht mit Plexiglas abdecken
  • Wer 2 Folien verwendet, wird die Stoßkante als Streifen auf dem Stoff sehen

Diese Woche sollten nun meine Stoffe eintreffen. Daher zeige ich am Ende der Woche, was ich genau verschickt habe.

Ich hoffe ich konnte euch mit meinen Erfahrungen helfen, damit ihr tolle Ergebnisse erhaltet.

#Creadienstag #HoT #DD

12 Gedanken zu „Tipps für Cyanotypie-Belichtung

  1. Wow – superwertvoll. Danke dir, Mareike. Ich überlege gerade noch hin und her, wie ich das mit dem Belichten etc. mache, da ich hier in einer sehr schönen, sehr hellen Dachwohnung lebe – normalerweise ideal, aber für das wohl weniger geeignet. Vielleicht gehe ich es am WE bei meinen Eltern an. Vorteile wären der große Außenbereich, da tun die paar Spritzer nix. Aber auch dort: sehr hell. Vielleicht teste ich einfach mal die Seidenmalfarben und entscheide dann, wie es weitergeht und wie mein geplanter Druck rauskommt….
    Danke jedenfalls für die Tipps. LG. Susanne

    1. Liebe Susanne,

      vielleicht kannst Du das ja Abends machen und dann draußen bei ein bißchen Wind trocknen lassen. Wenn Du den Stoff gut auswringst, sollte der in Null-komma-nix trocken sein. Und dann schnell vor dem nächste Tag verstecken.
      LG Mareike

  2. Liebe Mareike,
    deine Anmerkungen zur Cyanotypie lesen sich sehr gut! Gerade liegen meine ersten beiden Teststoffe zum Trocknen im fensterlosen Badezimmer. Alle, die jetzt auf`s Klo müssen, haben sich bei mir zu melden…
    Dass die Chemie 24 Stunden ruhen sollte, habe ich glatt vergessen/überlesen. Na ja, dafür sind ja Testprints da 🙂
    Bin schon gespannt auf Deine Stoffe und werde noch mal deine Erfahrungen zum bedrucken von Folien lesen…

    Viele Grüße

    Kristina

    1. Liebe Kristina,

      Du hast ja schon tolle Vorerfahrung mit Cyanotypie. Ich hab bei Dir auf dem Blog schon gestaunt. Das Färben geht sicher auch ohne die Lagerzeit. Da wär mir der Hinweis mit den handshcuhen lieber gewesen. Das ist vermutlich von Packung zu Packung verschieden, denn ich habe mein Set ja nicht bei Jeromin bestellt.

      LG Mareike

  3. Liebe Mareike, seit heute gehöre ich schon zu den Glücklichen, die eines deiner wirklich so wunderbaren Stoffquadrate in den Händen halten darf. Ich habe mich riesig gefreut, von dir, als erste unserer Gruppe. eine so feine Cyanotypie-Arbeit zu bekommen! Danke, danke, ein ganz toller Auftakt!
    Super, dass du deine Erfahrungen teilst, aber ich musste wirklich grinsen, dass du keine Handschuhe getragen hast… steht es doch in allen Anleitungen – auch bei diesem Set (ich habe das Gleiche gekauft)! Aber wahrscheinlich warst du so heiß auf’s Ausprobieren, dass du es nicht gelesen hast.
    Gespritzt hat bei mir übrigens auch nichts…!?
    Hauptsache, die Sonne scheint morgen, dass ich endlich auch Belichten kann.
    Lieben Gruß Ulrike

    1. Liebe Ulrike,

      ganz ehrlich, ich hab die Packungsbeilage zweimal daraufhin durchsucht. Vor allem, nachdem die Hände blau waren. Ich muss ja Tomaten auf den Augen gehabt haben, wenn das da drauf stand.
      Das Wetter soll ja heute entsprechend werden, dass dem Belichtungsvergnügen nichts im Weg steht. ich drück die Daumen.

      LG Mareike

  4. Oh wie schön, dass du es so gut beschreibst. Ich habe letzte Woche auch meine Stoffe belichtet, ohne Testphase, einfach alles auf einmal. Nachdem Inkodye überhaupt nicht funktioniert hat, habe ich das Set von Jeromin ausprobiert und es hat wunderbar geklappt. Zum Glück haben wir aber auch einen Keller, den man auch tagsüber schön dunkel halten kann. Weil ich recht dicken saugfähigen Stoff genommen habe, habe die Stoffe nicht getaucht sondern, vorher mit Stärke gebügelt und dann eingepinselt. (somit war nur eine Seite beschichtet) Dafür das das kleine Set von Jeromin genau ausgereicht.
    Und was das Format angeht… ja das habe ich dann auch gemerkt, und die Ränder mit Masking Tape angeklebt, was einen tollen Effekt gegeben hat (zeige ich aber noch nicht)
    Hast du deine fertigen Stoffe noch in der Waschmaschine gewaschen?
    Lieben Dank für deine ausführlichen Erfahrungen
    Michaela

    1. Liebe Michaela,

      ja, ich hab die Stoffe vorher in der Waschmaschine gewaschen. Damit sie in einem verarbeiteten Quilt nicht die übrigen Stoffe verfärben. Danach hab ich Sie noch gebügelt und dann zugeschnitten.

      LG Mareike

  5. Die entstandenen Muster gefallen mir sehr gut! Allerdings klingt der Herstellungsprozess ziemlich aufwändig…. Aber vielleicht wage ich mich ja doch mal dran.
    LG Amely

    1. Liebe Amely,

      das eigentliche Belichten geht dann ganz schnell, aber es timmt schon, dass die Vorbereitung etwas Zeit benötigt. Wenn Du das allerdings für viel Stoff machst, kannst Du imme rnach Lust und Laune ein Stück abschneiden und belichten.

      LG Mareike

  6. liebe mareike, ich gehöre ja zu den glücklichen, die schon eins deiner wunderschönen sonnendrucke in der hand halten kann. ich finde, es ist dir fantastisch gelungen!
    vielen dank für deine tipps!! ich habe mir bisher nur seidenmalfarbe gekauft, weil ich nicht so auf chemie stehe. und das cyanotypie-verfahren scheint mir ja doch recht kompliziert zu sein – ich habe weder keller noch dunklen raum zum trocknen und aufbewahren, also wohin damit??
    na, mal sehen, ich werde weitere berichte lesen!
    liebe grüße von mano

    1. Liebe Mano,

      schön, dass das Stöffchen wohlbehalten bei Dir angekommen ist.
      Die Cyanotypie ist tatsächich etwas aufwendiger, aber man wird mit schönen Ergebnissen belohnt.
      Sicher schaffst Du mit der Seidenmalfarbe aber auch etwas Wunderbares.

      LG Mareike

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