Patchwork

Wie man mit ganz viel Aufwand seine Jerseyreste verarbeitet

Ich würde euch ja gerne schreiben, wie ihr ganz schnell und ohne viel Aufwand eure Massen an Jerseyresten ein neues Dasein verschafft. Aber das kann ich leider nicht. Stattdessen kann ich euch schreiben, wie ihr das mit richtig viel Aufwand, sehr viel Zeit und Ärger hinbekommt.

Also kommt mit auf eine Reise in die Jerseyabgründe.

Die große Suzy von Suzy Quilts schrieb in einem ihrer Blogpost, wie einfach es doch wäre, Jersey in einen Quilt zu verarbeiten. Und da, Suzy schon viele tolle Ideen hatte, hab ich ihr vertraut. Und wer kennt nicht die Szene aus Twilight, wo die Mama ihrer Tochter einen Quilt aus T-Shirts überreicht. Wenn DIE das kann, und die Frau ist immerhin nur Schauspielerin, dann können wir Näherinnen das schon lange.Jersey Quadrate

Also hab ich ganz schnell alle meine Jerseys auf 10x10cm zugeschnitten und in Reihen aneinander genäht. Dabei hab ich Suzys Ratschlag für ganz einfaches Zusammennähen befolgt und sie hat mich nicht betrogen. Ich hatte zwar das Gefühl es würde schief werden, aber am Ende hat alles gepasst.

Nun hatte ich ein Top und der Rest war nur noch Formsache. Denkste! Der Rest war die Hölle!

Ich hab mein Top auf flauschigen IKEA-Plaid gelegt, mit Quiltsicherheitsnadeln befestigt und mit Schlängellinien angefangen zu nähen. Alles, wirklich alles verschob sich.

Dann hab ich den Nähfussdruck auf minimal gestellt, mit Oberfadenspannung gespielt, einen Zickzackstich zum heften benutzt und alles, wirklich alles verschob sich. Aufgegeben habe ich bei sage und schreibe 6 (in Worten: sechs) Reihen, die ich nun alle von Hand wieder öffnen musste. Sechs Reihen!

Und da sich das Garn so super schön in den Jersey versenkt hatte und die Rückseite vor lauter Flausch gar kein Garn mehr zeigte, habe ich mehrere Wochen lang die Naht geöffnet. Von meinem Handnähversuch möchte ich hier gar nicht erst anfangen.

Nun hatte ich mittlerweile die Bernina hier stehen. Vielleicht geht das ja mit dem BSR-Fuß? Erst mal auf Nummer sicher gehen und hinter das Top Bügelleinen bügeln, damit sich nichts mehr verzieht. Anschließend wieder auf den Flausch legen, mit Nadeln feststecken und mit wenig Nähfussdruck und der Freihand-Stichlängenkontrolle losgelegt.

Und alles, naja fast alles verschob sich. Hier hab ich wenigstens eher aufgegeben, damit ich nicht ganz so viel aufmachen muss.

Also mit dem Geradstich versucht. Nadeln gesteckt, Quilthandschuhe an und langsam und vorsichtig gerade Linien genäht. klappt!

Jetzt kein Risiko. Nix Binding. Einfach die Flauschdecke nach vorne umschlagen und mit der Nähmaschine festnähen. Denkste! Dem Rand hab ich zu kurz geschnitten, die Rückseite flutschte immer wieder weg. Dieser Quilt kennt meinen Nahtauftrenner mittlerweile besser als ich. Also, wieder alles aufmachen und Rand ganz abschneiden.Binding

Jetzt mit Schrägband das Binding gemacht. Das klappt wenigstens, immerhin bin ich hierbei schon ein alter Hase. Ich wollte den Quilt eigentlich nur noch maschinell fertig stellen, da ich satt war. Aber dann wurde ich doch gnädig mit ihm und hab den Rest mit der Hand angenäht. Sonst hätt ich vermutlich wieder den Nahtauftrenner benutzen müssen.

So, nun wisst ihr, wie man mit viel Arbeit, Zeit und Ärger seine Jerseyreste zu einem mittelmäßigem Quilt verarbeiten kann. Ich hoffe es ist euch eine Lehre!Sexy QuiltÜbrigens: Vielen erschließt sich nicht die Erotik eines Quilts. Aber es ist sicher eine Frage der Darstellung (s.o.) 🙂

#ModernPatchMonday #Creadienstag #HoT #DD

20 Gedanken zu „Wie man mit ganz viel Aufwand seine Jerseyreste verarbeitet

    1. Liebe Manon,

      wenn die Reste groß genug sind, kann man bestimmt gut Unterhosen machen. Hast Du da ein ebook für? Die Idee gefällt mir.

      LG Mareike

    1. Liebe Susanne,

      ich bin ja selber überrascht, dass ich durchgehalten habe, aber so ein bißchen hab ich mich auch drin verbissen. Jetzt liegt die Katze immer drauf und das macht mich glücklich.

      LG Mareike

  1. Liebe Mareike,

    ich habe hier eine Kiste mit zugeschnittenen Jersey-Quadraten – die wollte ich ja auch zu einem Quilt verarbeiten. Ich werde wohl erst mit einem kleinen Stück beginnen und testen… Ich bewundere Dein Durchhaltevermögen – ich hätte wohl nicht getrennt und hätte den Stoffrest-Container gefüllt.
    Ich hoffe, der schöne Quilt mit seinen dezenten Farben entschädigt für Deinen Ärger – und sexy ist er allemal!!
    Liebe Grüße
    Ines

    1. Liebe Ines 🙂

      Ich freue mich, dass der Quilt in Sachen Attraktivität seine Fans findet. Umso klarer wird wol auch, warum man nicht nur eine Decke näht, sondern gern auch die Zweite.
      Bin gespannt, was und wie Du den Jerseyquadraten an den Kragen gehst. Vielleicht hast Du ja mehr Glück.

      LG Mareike

      1. Ich glaube, ich lasse die Reste noch ein Weilchen ruhen – bei der nächsten Jersey-Aufräumaktion schneide ich dann nochmals welche zu – und dann müssen sie dran glauben. Da ich aber daraus ein Decke für meine Jungs in ihrem Chillraum nähen will, werden da sicher auch Falten verziehen….
        Liebe Grüße
        Ines

    1. Liebe Tina,

      keine Ahnung, warum ich so lange durchgehalten habe. Vielleicht weil ich einige der Jerseys vorher mit Stempel bedruckt hatte und die partout nicht wegwerfen wollte.
      Es hat sich aber dennoch gelohnt – am Ende.

      LG Mareike

  2. Liebe Mareike,
    der Post ist ganz toll geschrieben, sehr anschaulich und man kann richtig mitfühlen und du hast meine Bewunderung, dass du den Quilt trotzdem fertiggestellt hast! Das Ergebnis finde ich trotz allem sehr gelungen und bei der ganze Arbeit und den ganzen Ärger ist er doch ein ganz besonderes Teil geworden!
    Liebe Grüße
    Sandra

    1. Liebe Sandra,

      vielen Dank. Ich hab dem Quilt verziehen, nachdem die letzte Naht gemacht war. Seit dem leben wir ins trauter Dreisamkeit. Er wird nun von der Katze belebt, die jeden Tag drauf schläft. Aber nochmal mach ich das nicht mit!

      LG Mareike

  3. Liebe Mareike,
    Du bist aber auch immer für Überraschungen gut: sehr schöner Quilt und Hut ab vor Deinem Durchhaltevermögen, kann ich aber gut nachvollziehen, daß Du den nicht in die Ecke geschmissen hast! Wer wärst Du denn, daß Du Dich von einem Quilt in die Knie zwingen ließest! Dem zeigst Du schon eher die Knie, sehr hübsch fürwahr!
    Liebe Grüße Christiane

    1. Liebe Christiane,

      da schätzt Du ich genau richtig ein. Wobei ich zwischendurch schon echt mit mir gerungen habe. Da ist es immer gut, wenn man niemandem von seinem Vorhaben erzählt, dann muss man nicht zugeben, dass man es nicht geschafft hat. Leider hatte ich diese Regel nicht beherzigt und musste nun da durch.

      LG Mareike

    1. Liebe Jennifer,

      stimmt, wenn ich das vorher gewusst hätte. Aber aus meiner Qual können wenigstens andere lernen. Dafür ist so ein Bericht des Fast-Scheiterns auf jeden Fall gut.

      LG Mareike

  4. Hallo Mareike,
    erstmal Hut ab und Respekt für die Arbeit die du dir gemacht hast. Wahnsinn, ich weiß nicht, ob ich das Nähprojekt in die Ecke geschmissen hätte. Der Quilt ist wirklich schön geworden, deine Aufteilung finde ich sehr schön…
    Ich hoffe, es wird dir lange begleiten und alles wieder wett machen.
    liebe Grüße
    Jana

    1. Liebe Jana,

      vielen Dank. Das hoffe ich auch. Zum Glück ist die Rückseite so unglaublich kuschelig, dass er mir schon in der Hängematte gute Dienste geleistet hat. Insofern glaube ich, dass wir viele schöne Jahre zusammen haben werden.

      LG Mareike

  5. Respekt und Bewunderung für Dein Durchhaltevermögen! Würdest du sagen es wäre besser, so einen Jersey-Quilt von vornherein per Hand zu quilten? Ich habe einen Stapel T-Shirts des Sohnes aufbewahrt mit der Idee, daraus ebenfalls einen Quilt zu machen. Vielleicht wird aber auch Zpaghetti-Garn draus und ich stricke einen Sitzsack… Sicher nicht weniger aufwändig, aber vielleicht mit weniger Ärger verbunden…
    lg, Gabi

    1. Liebe Gabi,

      schwer zu sagen. Ich weiß ja nicht, ob ich dabei irgendwelche Fehler gemacht habe. Vermutlich ist Handquilting tatsächlich eine gute Alternative, aber dafür hatte ich überhaupt keine Geduld mehr.
      Andersrum aus T-Shirts läßt sich ja super leicht ein Spagettigarn machen. Die sind ja schon rund genäht und da gibt es eine Trick, wie man daraus ein langes Garn schneidet. Hatte ich mal irgendwo gesehen. Ich habe selber mal so ein Kissen aus Jerseygarn gestrickt und ich finde es immer noch sehr schön. Vielleicht musst Du mal auf amerikanischen Blogs suchen, wie die die Jerseys quilten.

      LG Mareike

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

5 + 5 =